Asien
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Tatjana Früh und Elke Wedig (v.l.) mit einem der Friesenpferde in Indien. |
Aufgenommen in der Familie: Gemeinsamer Schmaus mit Zuckerrohr. |
Die knochigen Marwari-Pferde mit den Herzohren und die klapperdürren Kutschponies, die ich bis dahin in Indien kennengelernt hatte, mussten mit ziemlich rauhen Hilfen und wenig Futter klarkommen, erinnerte ich mich. Ich hatte keine Vorstellung von dem Zustand der Friesen Baljits, vom Reitplatz sowie von unserer Unterkunft. Selbst das scharfe Essen der Inder könnte für mich eine Herausforderung werden.
So waren wir überrascht von dem riesigen Haus mit großer Eingangshalle und zehn Schlafzimmern und sehr gut gehaltenen Pferden. Zwei fünfjährige holländische Friesenhengste, Ouke und Menso, erwarteten uns. Sie waren bereits angeritten. Das stand dem vierjährigen Friesenhengst Thomas nun bevor. Zudem waren da noch der dreijährige Warmbluthengst Classico, der als Springpferd ausgebildet werden sollte, und zwei Friesenstuten, Tanja und ihr neugeborenes Hengstfohlen Oujan sowie Remke, die trächtig wirkte.
Gleich nach unserem ersten Mittagessen mit Dal (Linsensuppe), Palak Paneer (Spinat mit Frischkäse), Dahin (Joghurt) und Rotis (Fladenbrot) sowie einem kurzen Mittagsschlaf begann unsere Arbeit mit den Pferden. Die Tiere hatten nahezu optimale Bedingungen: einen voll eingezäunten Sandplatz, große kühle und dunkle Boxen, die mit Folien zugehängt auch bei niedrigen Temperaturen genügend Schutz bieten.
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Festlich gekleidet im Punjabi-Suit besuchten Tatjana Früh und Elke Wedig (v.r.) das Heiligtum der Sikhs in Amritsar. |
Baljits Vater erklärte den deutschen Pferdefrauen die Religion der Sikhs. |
Abends schenkte Manjit, die Dame des Hauses, Tatjana und mir jeweils einen Punjabi-Suit, so dass wir für das Abendessen perfekt gekleidet sein würden. Bapu, Baljit’s Vater, würde die Familie besuchen kommen und lud Tatjana und mich sogleich in den Gebetsraum der Familie ein. Bisher hatten wir über Sikhs nur gewusst, dass sie Turbane tragen, niemals die Haare schneiden dürfen, dass die Männer sich nicht rasieren und meistens mit Dolch oder Gewehr herumlaufen. Jetzt unterrichtete uns Bapu über Guru Nanak und die Sikhreligion.
Schon bald fühlten wir uns aufgenommen und nahmen an allen Ereignissen der Familie teil. Wir aßen zusammen, tranken Cha, besuchten den Tempel und Verwandte, die uns mit Geschenken nahezu überhäuften. Für ein Einzelkind wie mich war diese Gemeinschaft eine ganz neue Erfahrung. Selbst die Angestellten, zunächst distanzierte Beobachter unserer Arbeit mit den Pferden, tauten auf und grüßten uns dann herzlich mit „Satzlikal!“ Wir taten den Pferden gut. Baljit konnte den Friesen Thomas schon nach kurzer Zeit sogar selbst reiten und war begeistert. Er organisierte Absperrpfosten, Bänder und Strohballen, die mit Bambusstangen als Hindernisse dienten, und Helfer, wann immer nötig. Indien war für uns “Pferdefrauen” ein Land der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten.
Gerne denke ich auch an die gemeinsamen Ausflüge nach Dharamsala, dem Sitz des Dalai Lama am Rande des Himalaya, und zum Goldenen Tempel nach Amritsar, dem größten Heiligtum der Sikhs. Wir freuen uns auf unseren nächsten Trainingseinsatz bei den Friesen im Punjab.
(Text und Bilder: Elke Wedig)
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