Amerika - Nord
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Die Nachkommen der Ureinwohner Nordamerikas schützen ihre Kultur. Wer sie respektiert, ist ein willkommender Gast. |
Indian Country - die Heimat der Ureinwohner des Südwestens auf dem 2.200 m hohen Colorado Plateau. Eine junge Indianerin beim Tanz. |
Zu sehen gibt es mehr als genug. Nördlich von Window Rock zum Beispiel, der Hauptstadt des Reservats. Vor der Kulisse kolossaler Felsentische und -burgen verwandeln sich Risse neben der Straße plötzlich in Canyons. Der größte ist der 41 km lange Canyon de Chelley, eine 300 m tiefe Schlucht, die den Navajos im Winter 1863/64 zum Verhängnis wurde, als die US-Kavallerie sie hier aushungerte und die Überlebenden nach Fort Sumner in New Mexico trieb.
Wer heute in den Canyon hinabsteigt, betritt eine andere, von Raum und Zeit losgelöste Welt. Kein Laut dringt in den Canyon. Unter einigen Felsenüberhängen kleben Ruinen. Niemand weiß, wer die verfallenen Häuser und Türme über dem Talboden gebaut hat, auch die Navajos nicht. Sie nennen die unbekannten Baumeister Anasazi, was schlicht “die vorher da waren” bedeutet.
Oder Tsebii`nidzisgai, das “Tal zwischen den Felsen”. So nennen die Navajo-Führer das Naturschauspiel, das der Rest der Welt als Monument Valley kennt. Mit ihnen lernt man den nur Navajos zugänglichen Teil des Tals kennen und hört die alten Geschichten. Die von Chief Hoskinini zum Beispiel, der die Überlebenden von Canyon de Chelley hierher führte, wo sich der heute 200.000 Menschen zählende Stamm von dem Völkermord erholte. Und natürlich die von Hollywood, das ab 1938 hier Western am Fließband produzierte und den Stamm unsanft in die Gegenwart schubste.
Heute üben die Navajos den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne. Im gelbfahlen Herzen ihres Landes lebt indes ein Stamm, der sich dem Schutz seiner Kultur verschrieben hat wie kein anderer in den USA. In den siebziger Jahren wegen ihrer Philosophie vom Leben im Gleichgewicht mit der Natur von Touristen überrannt, verhängten die Hopis ein totales Fotografierverbot über ihr Reservat. Seitdem dürfen in der Hopi Indian Reservation weder Menschen noch Tänze, Häuser und Dörfer fotografiert werden. Wer diesen Wunsch respektiert, wird jedoch willkommen geheißen in einer Welt, die auf einem anderen Planeten zu liegen scheint.
Ihre uralten Festungsdörfer auf den bis zu 180 m hohen Felsentischen übersieht man von der SR-264 leicht. Die schönste ist Walpi auf der First Mesa, ein nur noch von ein paar alten Frauen bewohntes, 800 Jahre altes Adlernest ohne Strom und fließend Wasser 180 Meter über dem Wüstenboden. Nur eine knapp fünf Meter breite Engstelle verbindet es mit dem nur wenig jüngeren Dorf Sichomovi.
Die sandfarbenen, im Laufe der Zeit übereinander gewachsenen Steinhäuser scheinen organisch aus dem Felsen zu sprießen. Stiegen führen auf Dächer, wo Leitern Kiwas, die traditionellen Zeremonialräume, signalisieren. “Keine Fotos, zusammen bleiben”, knurrt die Hopi-Führerin. Den vielleicht interessantesten Ort im Südwesten kann man nur in einer geführten Gruppe besichtigen, die in Sichomovi zusammengestellt wird. Doch das ist auch gut so. Nicht auszudenken, wenn es anders wäre.
(Text: Ole Helmhausen, Montréal)
- Saskatchewan - alle fahren durch
Diese Stimme. Zutiefst empört poltert sie durch den Äther. Sollen unsere Indianer etwa steuerfrei bleiben, dröhnt sie, und hat sogleich die Antwort parat. Natürlich nicht, schließlich sind das Menschen wie du und ich. John Gormley - der Kanal CJAM wirbt mit dem Spruch “Sie müssen ihn nicht mögen” für seinen Quotenbringer - macht Talk Radio. Jene Gattung Radio, die südlich der Grenze Tag für Tag in den offenen Wunden der schweigenden Mehrheit pult.



